Wenn du nicht weißt, wo du beim Journaling anfangen sollst:
30 Journaling-Fragen für Gedanken, Entscheidungen, Werte, Prioritäten und deinen Alltag.
Beim ersten Mal hatte ich vor allem eine Sorge: Was, wenn ich vor diesem leeren Blatt sitze und mir einfach nichts einfällt?
Das war während meiner Reha-Zeit. Morgens um 6 Uhr, in eine Kuscheldecke eingewickelt, in meinem Büro unterm Dach. Kerze an, leise Musik im Hintergrund und ein leeres Blatt vor mir.
Und dann passierte genau das Gegenteil von dem, was ich befürchtet hatte. Ich fing an zu schreiben und die Gedanken kamen einfach. Ein Satz nach dem anderen, ohne Plan und ohne vorher zu wissen, wo ich landen würde.
Rückblickend war das für mich sogar ein Anfang. Ich habe damals entdeckt, wie viel in mir auftaucht, sobald ich anfange zu schreiben. So entstand nach und nach auch meine Freude am Schreiben selbst.
Später kamen die Fragen dazu. Manche stelle ich mir bewusst beim Journaling, andere nehme ich einfach mit in meinen Tag oder in eine Woche. Manche beantworte ich in fünf Minuten, andere tauchen immer wieder auf.
30 dieser Fragen und meine 5 Bonus-Fragen habe ich für dich in diesem Artikel gesammelt.
Für dich, wenn …
Dieser Artikel ist für dich, wenn du Journaling ausprobieren möchtest, aber vor dem leeren Blatt sitzt und nicht weißt, womit du anfangen sollst. Oder wenn du schon journalst, aber gerade neue Impulse suchst.
Wenn du mit Journaling noch ganz am Anfang stehst und erst einmal wissen möchtest, wie ich selbst damit angefangen habe, findest du hier meinen persönlichen Einstieg ins Journaling ab 40.
Wie du diese Journaling-Fragen nutzen kannst
Du musst nicht alle 30 Fragen auf einmal beantworten. Wähle eine Frage aus, die dich gerade anspricht, und bleib dabei, auch wenn dir zunächst nicht viel einfällt. Manche Fragen wirst du in wenigen Sätzen beantworten, bei anderen merkst du vielleicht, dass sie dich noch länger beschäftigen.
✦ Eine gute Frage muss nicht sofort eine Antwort haben. Manchmal reicht es, sie zuzulassen.
Journaling-Fragen für den Einstieg
Wenn dir noch gar nichts einfällt, können diese Fragen helfen, überhaupt anzufangen:
- Was beschäftigt mich gerade wirklich?
- Wie geht es mir heute, ganz ehrlich?
- Wofür bin ich diese Woche dankbar?
- Was möchte ich mir selbst gerade sagen?
- Was geht mir gerade durch den Kopf, auch wenn es unwichtig erscheint?
Journaling-Fragen zur Klarheit und Selbstreflexion
Diese Fragen richten den Blick darauf, was in deinem Alltag gerade los ist:
- Was tue ich gerade aus Gewohnheit, obwohl es sich nicht mehr stimmig anfühlt?
- Wann habe ich mich diese Woche wirklich wie ich selbst gefühlt?
- Was würde ich anders machen, wenn niemand zusieht?
- Welcher Gedanke kommt in letzter Zeit immer wieder zurück?
- Was verschiebe ich schon lange, ohne genau zu wissen, warum?
Journaling-Fragen zu Werten und Prioritäten
Ein Blick in deinen Kalender kann manchmal interessanter sein als eine Werte-Liste: Wofür nimmst du tatsächlich Zeit?
Diese fünf Fragen richten den Blick darauf, wofür du im Alltag tatsächlich Zeit und Aufmerksamkeit verwendest:
- Wie sah mein gestriger Tag aus – und wie viel davon hat wirklich zu mir gepasst?
- Welche drei Dinge sind mir gerade am wichtigsten?
- Wofür nehme ich mir Zeit, ohne groß nachzudenken?
- Wofür würde ich gern mehr Zeit finden?
- Was würde ich vermissen, wenn es morgen wegfiele?
Journaling-Fragen zu Entscheidungen
Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst oder eine schon getroffene noch einmal betrachten möchtest:
- Welche Entscheidung schiebe ich gerade vor mir her und was ist der Grund dafür?
- Was spricht für diese Entscheidung, wenn ich neben den vernünftigen Argumenten auch darauf schaue, was mir wichtig ist?
- Was würde ich einer guten Freundin in meiner Situation raten?
- Wovor habe ich bei dieser Entscheidung eigentlich Respekt?
- Was würde sich ändern, wenn ich diese Entscheidung heute treffen würde, statt sie weiter aufzuschieben?
Journaling-Fragen für schwierige Tage
Für Tage, an denen wenig leichtfällt und du nicht genau weißt, woran es liegt:
- Was genau macht diesen Tag gerade so schwer?
- Wo habe ich heute Ja gesagt, obwohl ich innerlich Nein meinte?
- Was bräuchte ich jetzt, ganz konkret?
- Wem oder was gebe ich heute mehr Raum, als mir guttut?
- Was würde mir gerade helfen, auch wenn ich es mir selten erlaube?
Journaling-Fragen für den Wochenrückblick
Ein kurzer Rückblick zum Wochenende oder Sonntagabend, um die Woche noch einmal ehrlich zu betrachten:
- Was hat diese Woche wirklich zu mir gepasst?
- Wo habe ich diese Woche etwas getan, obwohl ich eigentlich etwas anderes gebraucht oder gewollt hätte?
- Welcher Moment dieser Woche bleibt mir besonders im Kopf – und warum?
- Was möchte ich aus dieser Woche in die nächste mitnehmen?
- Was darf nächste Woche gern anders laufen?
Eigentlich wollte ich … Warum du im Alltag oft anders handelst, als du möchtest.
Du weißt eigentlich, was dir wichtig ist. Und trotzdem entscheidest du im Alltag manchmal ganz anders.
Dieses 30-Minuten-Workbook hilft dir dabei, genauer hinzuschauen: Was ist passiert? Was hättest du eigentlich gewollt? Und was war dir in diesem Moment wichtig?
30 Minuten, um besser zu verstehen, warum du manchmal anders handelst, als du eigentlich möchtest.

Bonus: 5 Fragen, die ich selbst besonders mag
- Wie soll mein Alltag aussehen?
- Was wünsche ich mir?
- Weil alles möglich ist, wie will ich es haben?
- Wenn es so noch nicht funktioniert, wie funktioniert es dann?
- Welche Möglichkeiten gibt es noch für mich?
Diese Fragen beantworte ich meist nicht schriftlich. Ich nehme sie mit in meinen Tag, in meine Woche. Und manchmal kommt die Antwort ganz unerwartet. Beim Abwasch oder beim Bügeln.
Das ist meine Art von Selbstreflexion, meine Art, mich immer wieder auszurichten.
Wenn du lieber saisonal reflektierst, habe ich für den Übergang vom Sommer in den Herbst 15 eigene Journaling-Fragen zusammengestellt.
Was dieser Gedanke nicht lösen muss
Eine Journaling-Frage löst nicht dein ganzes Leben. Sie ersetzt keine großen Entscheidungen und kein Gespräch, das eigentlich ansteht. Beim Schreiben kann allerdings deutlicher werden, welche Frage dich gerade beschäftigt, was du immer wieder aufschiebst oder wo etwas für dich nicht mehr ganz stimmig wirkt.
Lesetipp: Selbstreflexion ab 40 – klarer sehen, bewusster entscheiden. Wenn dir einzelne Fragen nicht reichen und du tiefer einsteigen möchtest, findest du dort mehr.
Häufige Fragen zu Journaling-Fragen
Wie oft sollte ich diese Fragen beantworten?
Es gibt keine feste Regel. Manche Frauen wählen täglich eine neue Frage, andere greifen nur zurück, wenn sie das Bedürfnis dazu spüren. Für mich ist daraus keine tägliche Routine geworden. Ich greife Fragen eher dann auf, wenn mich eine davon beschäftigt.
Muss ich die Fragen der Reihe nach beantworten?
Nein. Wähle die Frage, die dich in diesem Moment am meisten anspricht. Die Reihenfolge in diesem Artikel ist eine Orientierung, keine Vorgabe.
Was, wenn mir zu einer Frage gar nichts einfällt?
Das kann vorkommen. Nicht jede Frage passt in jedem Moment. Schreib einfach auf, dass dir gerade nichts einfällt, und warum das so sein könnte. Manchmal entsteht gerade aus diesem ersten Satz doch noch ein Gedanke, den du weiterschreiben möchtest.
Kann ich diese Fragen auch mündlich beantworten, statt zu schreiben?
Du kannst die Fragen auch laut für dich selbst beantworten oder in eine Sprachnotiz sprechen. Beim Schreiben bleiben Gedanken sichtbar vor dir liegen. Gerade deshalb bevorzuge ich persönlich meistens Papier und Stift, aber ein Muss ist das nicht. Ich nehme auch viele Fragen zuerst mit in den Alltag.
Wie finde ich heraus, welche Frage gerade zu mir passt?
Lies die Fragen einmal durch und nimm die, bei der du spontan hängen bleibst oder zu der dir sofort ein Gedanke kommt. Und wenn keine davon passt, lass sie für heute liegen.
Fazit
Du brauchst keine 30 perfekten Antworten. Manchmal ist eine einzige Frage genug, mit der du dich ein paar Minuten beschäftigen möchtest.
✦ Manchmal beginnt Klarheit nicht mit einer Antwort, sondern damit, sich überhaupt eine ehrliche Frage zu stellen.
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