Wie sich Geborgenheit im Erwachsenenleben zeigen kann und welche kleinen Dinge mir im Alltag Halt geben.
Was gibt dir heute Geborgenheit? Eine Frage, die wir uns als Erwachsene selten stellen.
Wenn ich an Geborgenheit in der Kindheit denke, denke ich zuerst an etwas, das man bekommen hat oder eben nicht. Eine Umarmung, ein sicheres Zuhause, jemand, der da war. Als Erwachsene stelle ich mir diese Frage kaum noch. Wir kümmern uns um Termine, um andere, um das, was funktionieren muss. Geborgenheit steht selten auf der Liste.
Wie leicht man sich in einem funktionierenden Alltag selbst aus dem Blick verlieren kann, beschreibe ich in „Ich funktioniere nur noch – kennst du diesen Moment?“
Für mich ist das inzwischen anders. Geborgenheit ist für mich auch eine bewusste Haltung geworden, nicht nur etwas, das mir zufällig passiert. Dazu gehört Geborgenheit im Außen, aber genauso Geborgenheit in und mit mir selbst.
Genau darum soll es in diesem Artikel gehen: nicht um eine allgemeine Erklärung, warum Menschen Geborgenheit brauchen, sondern um die persönlichere Frage, woran ich sie bei mir selbst erkenne, wo ich sie finde und wo ich sie manchmal mit etwas anderem verwechsle. Dieser Artikel eröffnet außerdem einen neuen kleinen Themenbereich hier auf dem Blog, in dem ich mich in den nächsten Wochen einzelnen Facetten von Geborgenheit genauer widme, von den Sinnen über die Menschen bis zu den kleinen Ritualen, die im Alltag oft übersehen werden.
| Für dich, wenn … Dieser Artikel ist für dich, wenn du dir die Frage nach Geborgenheit im Alltag lange nicht mehr gestellt hast. Wenn dein Leben äußerlich funktioniert, du dich aber innerlich selten wirklich getragen fühlst. Oder wenn du spüren möchtest, was für dich persönlich den Unterschied zwischen Geborgenheit, Bequemlichkeit und Vermeidung ausmacht. |
Was Geborgenheit für mich heute bedeutet
Wenn ich an Geborgenheit denke, geht es für mich nicht nur um ein Gefühl von außen. Es geht auch um Sicherheit in mir selbst: dass ich mir vertraue, meinen Stärken vertraue, und dass ich mich dadurch geschützt fühle, auch unabhängig davon, was gerade um mich herum passiert.
Das war für mich kein Zustand, der einfach da war. Es war ein langer Weg dahin. Selbst wenn ich heute meine Komfortzone verlasse, merke ich, dass ich diese Geborgenheit in mir trage. Das ist für mich der eigentliche Unterschied: Wenn meine Geborgenheit ausschließlich von äußeren Umständen abhängt, fühlt sie sich für mich fragil an. Der innere Halt, den ich mir selbst geben kann, bleibt für mich auch dann spürbar, wenn sich im Außen etwas verändert.
Trotzdem finde ich sehr viel Geborgenheit im Außen: mit meinem Mann, mit meiner Familie, meiner Tochter, mit unserem Pudel Theo. Und sehr stark auch in meinem Zuhause, das für mich ein echter Rückzugsort ist. Innere und äußere Geborgenheit schließen sich für mich nicht aus. Beides darf da sein.
Ich glaube, genau darin liegt für mich der Unterschied zu früher. Früher hätte ich Geborgenheit vermutlich vor allem im Außen gesucht: bei bestimmten Menschen, in bestimmten Situationen, an bestimmten Orten. Heute weiß ich, dass ein Teil davon in mir selbst beginnt, und dass mich das unabhängiger macht, ohne dass ich deshalb die Menschen und Orte weniger brauche, die mir viel geben.
Woran ich merke, dass ich mich geborgen fühle
Wenn Geborgenheit da ist
Geborgenheit zeigt sich bei mir zuerst körperlich. Ein tiefes Gefühl von Fallenlassen-Können. Eine bestimmte Wohlfühlatmosphäre. Körperliche Entspannung, die ich fast spüren kann, wenn sie einsetzt: die Schultern werden leichter, der Atem tiefer, ich muss nichts mehr festhalten.
Wenn Geborgenheit fehlt
Genauso deutlich merke ich das Gegenteil. Wenn ich mich nicht geborgen fühle, verkrampfe ich innerlich leicht. Nicht viel, aber spürbar. Ich werde leiser, rede nicht so viel, beobachte mehr und halte mich zurück. Erst wenn ich mich sicher fühle, zeige ich mich so, wie ich wirklich bin.
Mir ist aufgefallen, dass dieses Zurückhalten oft der erste, leiseste Hinweis ist, noch bevor ich mir bewusst mache, dass mir gerade Geborgenheit fehlt. Bei mir zeigt der Körper es oft früher, als ich es gedanklich einordnen kann.
Warum Struktur und Routinen für mich zur Geborgenheit gehören
Ich liebe Struktur und Routinen. Auch sie geben mir Halt, mehr, als ich früher gedacht hätte. Ein wiederkehrender Ablauf nimmt mir nicht die Freiheit, sondern gibt mir eher die Ruhe, in der ich mich überhaupt erst fallen lassen kann.
Das war für mich lange nicht offensichtlich. Struktur klingt zunächst nach dem Gegenteil von Geborgenheit, nach Pflicht statt nach Wärme. Bei mir ist es andersherum: Wenn ich weiß, was als Nächstes kommt, muss ich nicht ständig entscheiden oder wachsam sein. Genau dieser Freiraum im Kopf ist für mich ein Teil von Geborgenheit.
✦ Vielleicht ist Geborgenheit weniger die Abwesenheit von Anspannung. Sondern der Ort, an dem du dich zeigen kannst, wie du bist.
Was ich früher mit Geborgenheit verbunden habe – und heute nicht mehr
In früheren Beziehungen habe ich mich eher nicht geborgen gefühlt. Ich hatte oft das Gefühl, vieles allein tragen zu müssen. Rückblickend war das für mich das Gegenteil von Geborgenheit: nicht die Abwesenheit von Nähe, sondern die Abwesenheit von echter Verbundenheit auf Augenhöhe.
Damals hätte ich Geborgenheit vermutlich trotzdem irgendwo in dieser Beziehung gesucht, einfach weil sie da war. Heute sehe ich klarer, dass Nähe allein noch keine Geborgenheit bedeutet. Es kann sich sehr nah anfühlen und trotzdem einsam sein, wenn man das Gefühl hat, mit den wichtigen Dingen allein zu bleiben.
Heute ist Geborgenheit für mich eng mit Beziehung auf Augenhöhe und mit Wertschätzung verbunden. Nicht mit dem Gefühl, versorgt zu werden, sondern mit dem Gefühl, gesehen zu werden und gleichzeitig nicht allein zu sein mit dem, was das Leben gerade an mich stellt.
Wo ich persönlich Geborgenheit finde
Wenn ich genauer hinschaue, sind es bei mir vor allem vier Bereiche: Menschen, Orte, Rituale und ganz bestimmte Sinneseindrücke. In den nächsten Artikeln dieser Reihe schaue ich mir jeden davon noch einmal genauer an. Hier ein erster Überblick.
Menschen
Am meisten finde ich Geborgenheit bei Menschen, die ihre Zuneigung durch Worte und durch Taten zeigen. Mit meinem Mann, meiner Familie, mit Freunden, die wirklich da sind. Es sind selten große Gesten, meistens eher die verlässliche Kleinigkeit: ein Anruf, eine Nachricht zur richtigen Zeit, jemand, der zuhört, ohne gleich zu bewerten.
An meinem 50. Geburtstag sind viele Freunde extra lange angereist, nur um diesen Tag mit mir zu feiern. An diesem Abend habe ich mich sehr geborgen gefühlt – nicht wegen der Feier selbst, sondern wegen der Menschen, die sich dafür Zeit und Weg genommen haben.
Orte
Auch Orte geben mir Geborgenheit. Mein Zuhause an erster Stelle, es ist mein eigentlicher Rückzugsort. Aber auch das Meer hat für mich diese Wirkung, genau wie der Moment, in dem ich mich auf einem Fest an meinen Mann kuschle. Es sind selten die großen Kulissen, eher bestimmte kleine Momente an vertrauten Orten, die sich oft gar nicht groß ankündigen.
Mein Zuhause ist für mich nicht nur ein Rückzugsort. Es soll auch zu der Frau passen, die ich heute bin. Genau darum geht es in „Passt dein Zuhause noch zu der Frau, die du heute bist?“
Sinne: Düfte, Gerichte, Musik
Bei Musik bin ich differenzierter, als ich zuerst dachte. Musik gibt mir vor allem Energie, keine Geborgenheit. Meditationsmusik ist für mich aber eine Ausnahme: Dazu schreibe ich am liebsten. Auch bestimmte Gerichte vermitteln mir Vertrautheit, zum Beispiel Kartoffeln, ganz unspektakulär und gerade deshalb passend. Ein Duft, den ich liebe, kann bei mir in wenigen Sekunden ein ähnliches Gefühl auslösen wie ein längeres Ritual. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich Sinneseindrücke wirken können, je nachdem, was sie für mich persönlich bedeuten.
Rituale
Am stärksten ist bei mir aber ein festes Ankommen-Ritual: eine Kerze, ein Duft, den ich liebe, Meditationsmusik und mein Journal. Diese Kombination aus vertrauten Elementen gibt mir häufig ein Gefühl von Geborgenheit, auch nach einem vollen oder anstrengenden Tag. Es dauert keine zwanzig Minuten, aber es markiert für mich einen klaren Übergang.
Wo für mich die Grenze zwischen Geborgenheit, Bequemlichkeit und Vermeidung liegt
Geborgenheit lässt sich leicht mit Dingen verwechseln, die sich im Moment ähnlich anfühlen, aber etwas anderes bedeuten. Für mich sind das vor allem vier Verwechslungen.
Geborgenheit ist nicht dasselbe wie Bequemlichkeit
Bequemlichkeit bleibt oft an der Oberfläche, sie erspart mir etwas. Geborgenheit trägt mich eher, auch dann, wenn etwas gerade nicht bequem ist. Ich kann mich in einem schwierigen Gespräch geborgen fühlen, wenn ich weiß, dass die andere Person es gut mit mir meint. Bequem ist so ein Gespräch trotzdem nicht. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall: Das Bequeme fühlt sich angenehm an, ohne dass es mir wirklich guttut.
Geborgenheit ist nicht dasselbe wie vollständige Sicherheit
Vollständige Sicherheit lässt sich im Leben kaum herstellen. Es geht für mich nicht darum, jedes Risiko auszuschließen, sondern darum, innerlich einen Halt zu haben, mit dem sich auch Unsicherheit aushalten lässt. Genau deshalb kann ich mich auch dann geborgen fühlen, wenn gerade nicht alles unter Kontrolle ist.
Geborgenheit ist nicht der Rückzug vor allem Unbequemen
Wenn ich mich vor Herausforderungen zurückziehe, fühlt sich das kurzfristig manchmal wie Schutz an. Auf Dauer erlebe ich es eher als Enge. Je mehr ich mich vor Unbequemem verstecke, desto kleiner wird mein Leben, nicht geborgener. Echte Geborgenheit hat mich eher ermutigt, mich auch einmal auf etwas Unbequemes einzulassen.
Geborgenheit ist nicht die Abhängigkeit von einem bestimmten Menschen oder Ort
Genauso wenig ist Geborgenheit für mich Abhängigkeit von einem bestimmten Menschen oder einem bestimmten Ort. Das würde sie fragil machen, weil sie dann von etwas abhinge, das ich nicht vollständig in der Hand habe. Deshalb ist mir die innere Seite von Geborgenheit inzwischen so wichtig geworden: Sie macht mich unabhängiger, ohne dass ich deshalb weniger an den Menschen und Orten hänge, die mir viel bedeuten. Ich kann meinen Mann, meine Familie und mein Zuhause sehr lieben und trotzdem wissen, dass meine Geborgenheit nicht ausschließlich an sie gebunden ist.
Bequemlichkeit und Vermeidung haben für mich deshalb eigentlich nichts mit echter Geborgenheit zu tun. Denn wenn ich mir selbst Geborgenheit geben kann, kann ich auch persönlich wachsen. Beides schließt sich für mich nicht aus, im Gegenteil: Erst die innere Geborgenheit macht es für mich leichter, überhaupt etwas zu wagen.
| Ein kleiner Selbstcheck Wann hast du dich zuletzt richtig geborgen gefühlt – und wer oder was war dabei? Woran merkst du körperlich, wenn dir Geborgenheit fehlt? Welche kleinen, wiederkehrenden Dinge geben dir Halt: ein Ritual, ein Ort, ein Geruch, ein Gericht? Was verwechselst du vielleicht manchmal mit Geborgenheit, das eigentlich eher Bequemlichkeit oder Vermeidung ist? |
Geborgenheit hängt für mich auch damit zusammen, die eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Wenn dir das im Alltag schwerfällt, findest du in „Eigene Bedürfnisse erkennen“ einen ersten Einstieg.
Wie es in diesem Themenbereich weitergeht
Geborgenheit ist ein großes Gefühl, das sich in vielen kleinen Dingen zeigt. In den nächsten Artikeln dieser Reihe schaue ich mir einzelne Facetten genauer an:
- Vertraute Gerüche, Gerichte und Musik: Wie deine Sinne dir Geborgenheit geben – ein genauerer Blick darauf, wie bestimmte Sinneseindrücke mit Vertrautheit und Geborgenheit verbunden sein können.
- Menschen, bei denen du nicht funktionieren musst – über den Unterschied zwischen Nähe und echter Verbundenheit.
- Ein fester Platz für dich zu Hause – wie ein einzelner Ort im Zuhause zum verlässlichen Rückzugspunkt werden kann.
- Nostalgie, ohne in der Vergangenheit stecken zu bleiben – wo Erinnerung guttut und wo sie beginnt, den Blick nach vorn zu verstellen.
- Kleine Geborgenheitsrituale für den Alltag – konkrete Impulse, die sich auch an vollen Tagen umsetzen lassen.
Diese Liste ergänze ich hier nach und nach, sobald die einzelnen Artikel erscheinen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Geborgenheit und Sicherheit?
Für mich ist Sicherheit eher die äußere Seite: Zugriff auf Informationen, geregelte Verhältnisse, verlässliche Strukturen. Geborgenheit ist für mich die innere Entsprechung dazu, das Gefühl, getragen zu sein, unabhängig davon, ob gerade alles im Außen sicher ist.
Kann ich mir selbst Geborgenheit geben, auch ohne Partner oder Familie in der Nähe?
Aus meiner Erfahrung ja, auch wenn das ein Weg ist, kein Schalter, den man einfach umlegt. Für mich waren Rituale, ein vertrauter Ort und bewusste Momente mit mir selbst wichtige Anfänge.
Warum fühle ich mich manchmal auch mit vertrauten Menschen nicht geborgen?
Das kann viele Gründe haben. Bei mir war es oft ein Zeichen dafür, dass die Beziehung nicht auf Augenhöhe war, auch wenn die Nähe an sich da war. Vielleicht lohnt sich dafür ein ehrlicher Blick darauf, ob du dich in einer Beziehung wirklich gesehen fühlst, nicht nur begleitet.
Wie hängt Geborgenheit mit persönlichem Wachstum zusammen?
Für mich hängen beide eng zusammen. Wenn ich mir selbst Geborgenheit geben kann, fällt es mir leichter, etwas zu wagen, weil ich weiß, dass ich diesen inneren Halt auch dann noch habe, wenn draußen gerade nicht alles glattläuft.
Muss ich für Geborgenheit große Veränderungen vornehmen?
Aus meiner Erfahrung eher nicht. Bei mir entsteht Geborgenheit meist nicht durch große Veränderungen, sondern durch kleine Dinge, die regelmäßig wiederkehren: eine Kerze, ein bestimmter Duft, ein Gespräch oder ein vertrauter Ort.
Fazit
Für mich ist Geborgenheit inzwischen weniger ein Ort, an dem ich irgendwann ankomme, sondern auch eine Haltung, die ich mir selbst geben kann – und die dadurch nicht mehr davon abhängt, dass draußen alles passt.
Ich brauche dafür bis heute mein Zuhause, meinen Mann, meine Familie und Theo. Aber am meisten trägt mich inzwischen das Gefühl, dass ich mir selbst Geborgenheit geben kann, auch wenn sich um mich herum etwas verändert.
Die Frage nach Geborgenheit ist für mich ein Teil der größeren Frage, wie stimmig der eigene Alltag eigentlich noch ist. Dazu findest du in „Bewusst leben heißt … Ein Selbstcheck für dein Leben ab 40“ einen umfassenderen Überblick.
Vielleicht ist das auch die Frage, die am Anfang dieses Artikels stand, wert, öfter gestellt zu werden: nicht nur, wo du Geborgenheit findest, sondern auch, wie viel davon du dir selbst schon gibst.
Deine Kerstin
Wenn dich solche Gedanken zu einem bewussteren Alltag regelmäßig begleiten sollen, trag dich gern in meinen Newsletter ein. Dort teile ich neue Artikel und ruhige Impulse für ein bewussteres Leben in der zweiten Lebenshälfte.
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass du dir selbst im Alltag nur wenig Raum für das gibst, was dir Halt und Geborgenheit vermittelt. Wenn du genauer hinschauen möchtest, wo du dich bei deinen täglichen Entscheidungen selbst aus dem Blick verlierst, kannst du hier einen ersten Blick darauf werfen:
Selbsttest „Entscheidest du gegen dich?“
Weitere Themenbereiche, wenn du tiefer gehen möchtest
Bewusster leben in der zweiten Lebenshälfte
Selbstreflexion & Journaling – wenn du dir selbst wieder zuhören möchtest






