Nicht alles, was angenehm ist, gibt uns auch Halt. Ein persönlicher Blick auf Düfte, Gerichte und Musik, die sich für mich wirklich vertraut anfühlen.
Manche Sinneseindrücke gefallen mir einfach. Andere lösen etwas Tieferes aus: Vertrautheit, Ruhe oder das Gefühl, für einen Moment angekommen zu sein. Das kann ein bestimmter Duft sein, ein alltägliches Gericht oder Musik, die mich beim Schreiben begleitet.
In diesem Artikel geht es deshalb nicht nur darum, was gut riecht, schmeckt oder klingt. Ich schaue genauer hin: Welche Sinneseindrücke verbinde ich tatsächlich mit Geborgenheit und woran merke ich den Unterschied?
Manchmal reicht ein Geruch, und ich bin für einen Moment ganz woanders.
Im Haupt-Artikel zu diesem Themenbereich habe ich geschrieben, dass Geborgenheit für mich in vielen kleinen Dingen steckt: in Menschen, in Orten, in Ritualen. Einen Teil dieser Geborgenheit nehme ich über meine Sinne wahr, oft bevor ich gedanklich einordnen kann, was gerade passiert. Ein Duft, ein Geschmack oder ein bestimmter Klang, und ich fühle mich für einen Moment ruhiger.
In diesem Artikel schaue ich mir das genauer an: welche Düfte, Gerichte und welche Musik bei mir tatsächlich Geborgenheit auslösen, und wo der Unterschied zu Dingen liegt, die mir nur kurz gefallen. Denn nicht alles, was angenehm ist, gibt mir auch das Gefühl von Halt, das ich mit Geborgenheit meine.
| Für dich, wenn … Dieser Artikel ist für dich, wenn dich bestimmte Gerüche oder Gerichte sofort in ein vertrautes Gefühl versetzen, dir das aber selten bewusst ist. Wenn du Musik als Stimmungsmacher kennst, dich aber fragst, ob sie dir auch wirklich Geborgenheit geben kann. Oder wenn du deine eigenen sinnlichen Anker für Geborgenheit noch gar nicht bewusst gesammelt hast. |
Warum Sinneseindrücke mich schneller erreichen als Gedanken
Bei mir ist es fast immer so: Ein Gedanke braucht einen Umweg, ein Duft nicht. Ich rieche etwas, und das Gefühl ist schon da, bevor ich überhaupt weiß, warum. Dadurch sind Sinneseindrücke für mich zu einem besonders unmittelbaren Zugang zu Vertrautheit und Geborgenheit geworden.
Ich muss an solchen Tagen keine Reflexionsfrage beantworten oder ein Ritual planen. Ein Duft im Büro oder ein bestimmtes Gericht reicht manchmal schon aus, um kurz durchzuatmen. Gerade an Tagen, an denen ich vor allem erledige und kaum noch bei mir ankomme, fallen mir solche kleinen Unterbrechungen besonders auf.
Diesen Funktionsmodus beschreibe ich ausführlicher in „Ich funktioniere nur noch – kennst du diesen Moment?“ Ich nehme Sinneseindrücke auch an Tagen wahr, an denen mir die Energie für eine längere Reflexion oder ein bewusstes Ritual fehlt.
Düfte, die mich sofort zurückholen
Ich liebe Düfte, und sie wecken bei mir sehr schnell Erinnerungen. Landluft zum Beispiel erinnert mich sofort an Urlaube in meiner Kindheit mit meinen Eltern. Ich muss dafür nicht einmal an einem bestimmten Ort sein, der Geruch allein reicht, manchmal sogar nur eine Andeutung davon, ein offenes Fenster im Auto, ein Feld am Straßenrand.
Auch Parfums lösen bei mir sofort etwas aus, vor allem, wenn sie mit bestimmten Menschen verbunden sind. Am meisten arbeite ich inzwischen aber ganz bewusst mit Duftölen für meinen Duftstein im Büro. Je nach Duft verbinde ich sie mit etwas anderem: manche eher mit Ruhe, andere mit Konzentration. Es ist fast wie ein kleines Werkzeug, das ich mir selbst zur Verfügung gestellt habe.
Wenn ich mich an den Schreibtisch setze und noch nicht richtig angekommen bin, träufle ich ein paar Tropfen auf den Duftstein. Nach ein paar Minuten fühle ich mich häufig sortierter und stärker an meinem Arbeitsplatz angekommen.
Ganz besonders eng mit Geborgenheit verbunden sind bei mir aber drei Düfte: das Parfum meines Mannes, mein Büroduft und Vanille-Kerzen. Wenn ich das Parfum meines Mannes rieche, ist da sofort dieses vertraute, sichere Gefühl, unabhängig davon, ob er gerade im Raum ist oder nicht. Bei Vanille-Kerzen ist es ähnlich, nur ruhiger, fast wie ein kleines Zuhause, das ich mir für einen Abend anzünde.
✦ Vielleicht mag ich Düfte auch deshalb so sehr, weil ich nichts mit ihnen tun muss. Ich nehme sie wahr, und manchmal ist das vertraute Gefühl einfach da.
Auch der Ort selbst kann einen Unterschied machen. In meinem Dachgeschoss kommen Düfte, Licht, Einrichtung und persönliche Dinge zusammen. Warum gerade dieser Raum für mich zum Rückzugsort geworden ist, beschreibe ich hier.
Gerichte, die mich erden
Kartoffeln esse ich schon, seit ich ein Kind bin, gern und oft. Sie machen mir kein Völlegefühl, und trotzdem fühle ich mich danach satt. Ich liebe einfach den Geschmack. Kartoffeln haben für mich etwas Bodenständiges und Vertrautes.
Bei mir gibt es sie in praktisch allen Formen: Pellkartoffeln, Kartoffelgratin, Kartoffelbrei, Salzkartoffeln. Für mich sind Kartoffeln so etwas wie ein Grundnahrungsmittel, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Es ist kein besonderes Festessen, eher das Gegenteil: etwas, auf das ich mich verlassen kann, egal wie der Tag war.
Wenn ich überlege, warum das so ist, glaube ich, es liegt genau daran, dass Kartoffeln bei mir mit nichts Besonderem verbunden sind, sondern mit ganz normalen Tagen. Kein Anlass, keine Feier, einfach nur ein verlässliches Essen, das es schon gab, als ich noch ein Kind war, und das es wahrscheinlich immer geben wird. Vielleicht ist genau diese Verlässlichkeit das eigentliche Geheimnis: Ich muss nicht überlegen, ob es mir schmeckt, ich weiß es einfach schon vorher.
Genau das macht für mich den Unterschied zu einem besonderen Essen, das ich vielleicht genieße, aber nicht mit Geborgenheit verbinde. Geborgenheit muss nichts Besonderes sein, sie darf ganz gewöhnlich sein.
Oft sind es gerade die unspektakulären Dinge, die im Alltag etwas in uns auslösen. Auch in meinem Artikel „7 Dinge, die mich glücklich machen – und die ich jahrelang übersehen habe“ geht es um solche kleinen, lange unterschätzten Momente.
Lesetipp: Wenn du wissen möchtest, wie ich Geborgenheit insgesamt für mich definiere, findest du das im Haupt-Artikel „Geborgenheit im Alltag: Was gibt dir heute Halt?“
Musik zwischen Energie und Ruhe
Bei Musik ist es bei mir komplizierter als bei Düften oder Gerichten. Musik weckt mich meistens eher auf, statt mich zu beruhigen. Ich tanze gern in der Küche zu lateinamerikanischer Musik, ich singe im Auto laut zu Pop. Das gibt mir Energie und gute Laune, aber es ist nicht das Gefühl, das ich mit Geborgenheit verbinde.
Wenn ich in der Küche zu Latin-Musik tanze, ist das pure Lebensfreude, laut und beweglich. Das ist wunderschön, aber es ist ein anderes Gefühl als das, was ich abends beim Schreiben suche.
Geborgenheit finde ich eher bei Meditationsmusik oder Klaviermusik. Dazu schreibe ich am liebsten. Als Kind habe ich Klavierspielen gelernt, vielleicht kommt daher diese besondere Verbindung zu Klaviermusik, ganz sicher weiß ich das nicht. Wenn ich sie beim Schreiben höre, fühle ich mich häufig ruhiger, fast so, als würde die Musik dem Schreiben einen vertrauten Rahmen geben.
Für mich zeigt das ganz gut, dass nicht jede Musik automatisch Geborgenheit bedeutet. Es kommt darauf an, was sie mit mir macht: Energie und gute Laune sind etwas anderes als das ruhige Getragensein, das ich mit Geborgenheit meine. Beides hat seinen Platz.
Wenn ich Düfte, Gerichte und Musik nebeneinanderlege, fällt mir auf, dass sie bei mir unterschiedlich wirken. Einen Duft nehme ich meist unmittelbar wahr. Ein Gericht erschließt sich über Geschmack, Vertrautheit und den Moment des Essens. Musik begleitet mich oft über einen längeren Zeitraum. Gemeinsam ist ihnen für mich, dass sie keine zusätzliche Aufgabe darstellen. Ich muss nichts leisten oder beantworten, sondern kann sie einfach wahrnehmen.
Aus diesen Beobachtungen sind für mich vier Fragen entstanden, mit denen du deine eigenen Verbindungen zwischen Sinneseindrücken und Geborgenheit betrachten kannst:
Wie du deine eigenen Sinnesanker finden kannst
| 1. Achte darauf, bei welchem Duft du dich nicht nur angesprochen, sondern auch ruhiger oder vertrauter fühlst. 2. Frag dich bei einem vertrauten Essen, ob du damit eher Genuss, Belohnung, Erinnerung oder Geborgenheit verbindest. Nichts davon ist besser, aber es ist nicht dasselbe. 3. Beobachte, welche Musik dir Energie gibt und bei welcher du dich eher ruhig und getragen fühlst. 4. Halte deine persönlichen Sinnesanker fest, zum Beispiel ein Duftöl, ein Gericht oder eine Playlist, auf die du an vollen Tagen zurückgreifen möchtest. |
Du musst diese Anker nicht alle auf einmal finden. Bei mir hat sich das über Jahre zusammengesetzt, ein Duft hier, ein Gericht dort. Wichtig ist eher, dass du anfängst, überhaupt genauer hinzuschauen.
Solche kleinen Beobachtungen gehören für mich auch zu einem achtsameren Alltag. Weitere Anregungen findest du in „Achtsam leben im Alltag: 10 einfache Impulse für jeden Tag“.
Geborgenheit kann durch Gerüche, Klänge und vertraute Rituale entstehen. Aber auch durch Menschen, bei denen wir nicht ständig funktionieren müssen. Mehr Gedanken dazu findest du hier.
Häufige Fragen
Wie erlebe ich die Verbindung zwischen Gerüchen und Erinnerungen?
Bei mir ist ein Duft oft schneller da als der Gedanke daran, woher ich ihn kenne. Manchmal kommt zuerst ein vertrautes Gefühl und erst danach die Erinnerung, mit der ich den Geruch verbinde.
Welche Musik verbinde ich mit Energie und welche mit Geborgenheit?
Bei mir ist das deutlich verschieden. Lateinamerikanische Musik und Pop verbinde ich eher mit Energie und Lebensfreude. Klavier- oder Meditationsmusik gehört für mich stärker zu ruhigen Momenten und zum Schreiben.
Muss ein Geborgenheits-Gericht etwas Besonderes sein?
Bei mir ist es eher das Gegenteil. Kartoffeln sind bei mir denkbar unspektakulär, und genau das macht für mich den Unterschied zu einem Festessen. Geborgenheit darf ganz gewöhnlich sein.
Wie finde ich heraus, welche Düfte oder Gerichte mir persönlich Geborgenheit geben?
Du kannst zunächst darauf achten, welche Düfte, Gerichte oder Klänge sich für dich nicht nur angenehm, sondern auch vertraut anfühlen. Manchmal ist genau diese Vertrautheit der Unterschied.
Kann sich das, was mir Geborgenheit gibt, im Laufe des Lebens verändern?
Bei mir schon. Manche Anker wie Kartoffeln oder Landluft begleiten mich seit der Kindheit, andere wie mein Duftstein im Büro sind erst in den letzten Jahren dazugekommen. Ich würde nicht davon ausgehen, dass diese Liste für immer feststeht.
Fazit
Für mich ist Geborgenheit selten mit großen Dingen verbunden. Oft sind es ein Duft, ein gewöhnliches Gericht oder eine bestimmte Art von Musik. Vielleicht lohnt es sich, den eigenen Sinnen dabei öfter zuzuhören, statt nur auf das zu achten, was gerade gut schmeckt oder gut klingt.
Diese vertrauten Sinneseindrücke erreichen mich häufig unmittelbarer als ein guter Vorsatz oder eine Frage, über die ich erst länger nachdenken muss. Und ich merke, dass es sich lohnt, sie bewusst zu sammeln, statt sie nur zufällig geschehen zu lassen. Im nächsten Artikel dieser Reihe schaue ich mir an, wie sich Geborgenheit bei den Menschen zeigt, mit denen ich zusammen bin.
Deine Kerstin
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Werte & Lebensgestaltung ab 40 – wenn sich deine inneren Maßstäbe verändern






