Bewusster leben

Geborgenheit durch Orte: Ein fester Platz für dich zu Hause

12. August 2026

Kerze, ein Blatt und Handtücher als Zeichen von Geborgenheit zuhause

Geborgenheit durch einen festen Ort: warum ausgerechnet ein einziger Raum in meinem Haus mein eigentlicher Rückzugspunkt ist.

Ich bin die Treppe hoch, und dann habe ich richtig ausgeatmet.

Vielleicht kennst du so einen Ort auch. Einen Sessel, eine Ecke, einen Balkon oder einen ganzen Raum, an dem du dich anders fühlst als im Rest deiner Wohnung. Nicht unbedingt, weil er besonders schön eingerichtet ist, sondern weil du dort irgendwie mehr bei dir bist.

Vor ein paar Tagen bin ich wieder in mein Dachgeschoss hochgezogen, nachdem ich eine Weile woanders im Haus gearbeitet hatte. Kaum saß ich an meinem Schreibtisch, habe ich tief ausgeatmet. Nicht bewusst herbeigeführt, es ist einfach passiert.

Im Haupt-Artikel zu diesem Themenbereich habe ich geschrieben, dass mein Zuhause an erster Stelle mein Rückzugsort ist. In diesem Artikel schaue ich mir genauer an, warum das eigentlich nur für einen ganz bestimmten Raum in diesem Zuhause so besonders stark gilt, und was diesen Ort von allen anderen Räumen unterscheidet.

Für dich, wenn …

Dieser Artikel ist für dich, wenn du dich in deinem Zuhause grundsätzlich wohlfühlst, aber noch nicht bewusst wahrgenommen hast, welcher einzelne Ort dich eigentlich am meisten trägt. Wenn du unterscheiden möchtest zwischen einem Zuhause, das insgesamt zu dir passt, und dem einen Platz darin, der wirklich dein Rückzugspunkt ist. Oder wenn du merkst, dass sich manche Räume für dich einfach nicht richtig anfühlen, egal wie du sie einrichtest.

Warum genau dieser eine Ort für mich zählt

Mein Dachgeschoss ist mein Place to be. Die ganze Atmosphäre und Energie in diesem Raum macht das aus: die Tapete, der Teppich auf dem Vinylboden, das Sofa, die Möbel, mein Schreibtisch, meine Kerzen, meine Deko, meine Düfte, der Ausblick. Einfach alles zusammen. Es ist mein Ort der Kraft und auch der Ruhe.

Welche Rolle Düfte, vertraute Gerichte und Klänge für mein Gefühl von Geborgenheit spielen, beschreibe ich im Artikel „Geborgenheit durch die Sinne“.

Ich glaube, genau das macht den Unterschied zu einem Raum, der nur funktional eingerichtet ist. Die Grundlage dieses Raumes habe ich nicht einmal selbst gestaltet. Meine Tochter hatte damals Tapete und Wandfarbe ausgesucht und den Raum mit meinem Mann renoviert. Später hat sie ihn mir überlassen, weil sie ihn selbst nicht mehr brauchte. Vieles, was heute darin steht, kam erst nach und nach von mir dazu. Und trotzdem hat sich ausgerechnet dieser Raum immer mehr wie meiner angefühlt.

Vielleicht muss ein Ort also gar nicht von Anfang an für uns geplant sein, damit wir uns mit ihm verbunden fühlen. Manchmal eignen wir uns einen Raum erst mit der Zeit an, bis er irgendwann selbstverständlich zu uns gehört.

Vielleicht liegt genau darin der Unterschied: Ein persönlicher Rückzugsort entsteht nicht allein durch Einrichtung. Er entsteht durch die Verbindung, die wir mit einem Ort entwickeln.

Es geht nicht nur darum, wie ein Raum aussieht. Es geht darum, wie er sich für dich anfühlt und welche Bedeutung er für dich bekommen hat.

Wenn ich versuche, das genauer zu beschreiben, ist es weniger ein einzelnes Detail als das Zusammenspiel von allem. Die Tapete allein würde es nicht machen, der Ausblick allein auch nicht. Es ist eher so, dass sich alles gegenseitig trägt, bis der ganze Raum wie aus einem Guss wirkt.

Lesetipp: Wie stark dein gesamtes Zuhause noch zu der Frau passt, die du heute bist, kannst du im Artikel „Passt dein Zuhause noch zu der Frau, die du heute bist?“ nachlesen. Hier geht es dagegen ganz konkret um den einen Ort, der für mich am meisten trägt.


Der Ort, der für mich nicht funktioniert

Einen Stock tiefer liegt mein früheres Büro. Es fühlt sich für mich einfach nicht richtig an, egal wie ich es gestalte. Ich könnte es vermutlich genauso liebevoll einrichten wie mein Dachgeschoss, und ich glaube trotzdem nicht, dass es dieselbe Wirkung hätte.

Das zeigt mir, dass es bei einem festen Platz nicht nur um Einrichtung geht. Es ist auch die Lage, das Licht, vielleicht die Erinnerung, die mit einem Raum verbunden ist. Mein altes Büro war funktional gedacht. Als ich mich selbstständig gemacht habe, hätte ich dort wieder arbeiten können. Ich habe mich aber ganz bewusst für das Dachgeschoss entschieden. Zu meinem eigentlichen Rückzugsort ist es dann mit der Zeit geworden. Vielleicht liegt der Unterschied auch darin, wie ich diesen Raum heute nutze und was ich inzwischen mit ihm verbinde.

Ich habe mir oft überlegt, ob ich das alte Büro einfach besser einrichten sollte, damit es doch noch funktioniert. Inzwischen lasse ich das. Manche Räume tragen eine bestimmte Geschichte in sich, die sich nicht so leicht überschreiben lässt, nur weil man die Möbel austauscht.

Vielleicht wird ein Raum nicht dadurch zu deinem Rückzugsort, dass er von Anfang an für dich geplant oder perfekt eingerichtet ist. Sondern dadurch, dass du ihn irgendwann bewusst zu deinem Ort machst.


Warum verschiedene Räume mir unterschiedliche Formen von Geborgenheit geben

Das bedeutet nicht, dass mir der Rest des Hauses egal ist. Im Gegenteil, ich liebe eigentlich alles in meinem Zuhause, weil ich mir alles zu meinem gemacht habe, mit Farbe, Einrichtung und Deko. Auch mein Schlafzimmer mag ich sehr, dort ist bewusst wenig drin: unser Bett, Schränke, ein Sessel und natürlich Theos Körbchen.

Mein Schlafzimmer und mein Dachgeschoss geben mir trotzdem unterschiedliche Dinge. Das Schlafzimmer ist ruhig und reduziert, ein Ort zum Ankommen am Abend. Das Dachgeschoss ist mein aktiver Rückzugsort, der Platz, an dem das meiste von meinem Tag stattfindet. Beides ist Geborgenheit, nur auf unterschiedliche Weise.

Ich glaube, das ist auch eine Erkenntnis für mich selbst: Es muss nicht der eine perfekte Raum sein, der alles kann. Verschiedene Orte im selben Zuhause dürfen unterschiedliche Aufgaben übernehmen, ohne dass einer davon weniger wert ist als der andere.


Was ich in diesem Raum alles mache

In meinem Büro mache ich eigentlich alles: lesen, schreiben, journaling, Yoga, Meditation, manchmal auch einen Mittagsschlaf auf dem Sofa. Es ist für mich nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern eher ein Raum für alles, was mir wichtig ist.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zu einem reinen Homeoffice. Ein Homeoffice ist für eine Aufgabe gedacht. Mein Dachgeschoss ist für mich gedacht, für ganz unterschiedliche Seiten von mir, je nachdem, was der Tag gerade braucht.

An manchen Tagen sitze ich dort am Schreibtisch und arbeite konzentriert, an anderen liege ich auf dem Sofa und lese, wieder an anderen rolle ich meine Yogamatte aus. Der Raum verändert sich dabei nicht, aber ich merke, dass er all diese unterschiedlichen Zustände irgendwie mitträgt.

Geborgenheit entsteht für mich nicht nur durch Orte, sondern auch durch Menschen, bei denen ich nichts leisten muss.


Wenn der Ort selbst nicht mitspielt

Ganz ohne Einschränkung ist das trotzdem nicht. Im Sommer, wenn es sehr heiß ist, ist es im Büro unter dem Dach kaum auszuhalten. Dann arbeite ich im Wohnzimmer, so lange, bis es oben wieder erträglich ist.

Genau das war auch der Anlass für die Szene am Anfang dieses Artikels. Als ich vor ein paar Tagen wieder hochgezogen bin, habe ich richtig ausgeatmet in meinem Zimmer. Erst dieser Umweg über das Wohnzimmer hat mir noch einmal deutlich gezeigt, wie sehr ich diesen einen Raum eigentlich liebe.

Das Wohnzimmer ist in diesen Wochen also eine Art Übergangslösung, kein Ersatz. Es funktioniert für ein paar Tage ganz gut, aber es ersetzt nicht das Gefühl, das ich nur im Dachgeschoss habe.

Woran du deinen eigenen festen Platz erkennen kannst

Gibt es einen Ort in deinem Zuhause, an dem du automatisch tiefer durchatmest, sobald du dort bist?
Was genau macht diesen Ort aus: die Einrichtung, das Licht, der Ausblick, eine Erinnerung?
Gibt es im Gegensatz dazu einen Raum, der einfach nicht funktioniert, egal wie du ihn gestaltest?
Nutzt du deinen festen Platz nur für eine Aufgabe, oder für ganz unterschiedliche Seiten von dir?
Welche Seite von dir hat an diesem Ort Platz, die in deinem übrigen Alltag vielleicht zu kurz kommt?

Häufige Fragen

Muss ein fester Platz zu Hause ein ganzer Raum sein?

Bei mir ist es ein ganzer Raum, aber ich glaube, das muss nicht so sein. Für andere kann eine Ecke, ein Sessel oder ein einzelner Platz am Tisch dieselbe Funktion haben. Wichtiger als die Größe scheint mir zu sein, dass du ihn dir bewusst ausgesucht hast.

Warum funktioniert ein Raum manchmal einfach nicht als Rückzugsort?

Ich kann das nur aus meiner eigenen Erfahrung beschreiben: Bei meinem alten Büro fehlt mir bis heute die Erklärung dafür. Ich vermute, es hängt an mehr als nur der Einrichtung, vielleicht an Licht, Lage oder daran, wie bewusst ich den Raum ausgewählt habe. Umgekehrt beweisen lässt sich das bei mir nicht, es bleibt eine Vermutung.

Ist es ein Problem, wenn mein fester Platz nicht immer nutzbar ist?

Aus meiner Erfahrung nicht. Mein Dachgeschoss ist im Hochsommer kaum auszuhalten, trotzdem bleibt es mein liebster Ort im Haus. Ich weiche dann vorübergehend aus, ohne dass das etwas an meiner grundsätzlichen Verbindung zu diesem Raum ändert. Die Rückkehr fühlt sich danach sogar noch bewusster an.

Muss ich meinen festen Platz nur für eine Sache nutzen, zum Beispiel nur zum Arbeiten?

Bei mir ist es genau umgekehrt. Gerade weil ich in meinem Büro lese, schreibe, journale, Yoga mache und manchmal sogar schlafe, fühlt es sich für mich nicht wie ein reiner Arbeitsplatz an, sondern wie ein Rückzugsort für ganz unterschiedliche Seiten von mir. Ich glaube, genau diese Vielseitigkeit macht ihn für mich so wertvoll.


Fazit

Vielleicht muss nicht dein gesamtes Zuhause dieselbe Form von Geborgenheit ausstrahlen. Bei mir ist es ein einziger Raum, den ich mir bewusst ausgesucht und nach und nach zu meinem gemacht habe und in dem ich fast automatisch tiefer atme, sobald ich dort bin.

Vielleicht lohnt es sich, einmal nicht danach zu schauen, welcher Raum in deinem Zuhause am schönsten ist. Sondern danach, wo du dich am meisten wie du selbst fühlst.

Selbst wenn dieser Raum nicht immer nutzbar ist, wie bei mir im Hochsommer, bleibt er der Ort, zu dem ich zurückkehre, sobald es wieder geht. Vielleicht ist genau das die eigentliche Definition eines festen Platzes: nicht, dass er perfekt verfügbar ist, sondern dass du immer wieder zu ihm zurückfindest.

Im nächsten Artikel dieser Reihe schaue ich mir an, wie Nostalgie und Erinnerung mit Geborgenheit zusammenhängen, und wo genau die Grenze liegt, ab der Erinnerung eher zurückhält als trägt.

Wenn dich solche Gedanken zu einem bewussteren Alltag regelmäßig begleiten sollen, trag dich gern in meinen Newsletter ein. Dort teile ich neue Artikel und ruhige Impulse für ein bewussteres Leben in der zweiten Lebenshälfte.

Zum Newsletter

Mehr zum Themenbereich Geborgenheit findest du im Haupt-Artikel „Geborgenheit im Alltag: Was gibt dir heute Halt?“.

Du möchtest weitere Themen rund um ein bewusstes Leben entdecken?
Hier findest du einige Themenbereiche im Überblick.

Innere Klarheit ab 40 | Werte & Prioritäten | Rollen & Identität

Deine Kerstin