Spätsommer bewusst erleben: 15 kleine Rituale für den ruhigen Übergang vom Sommer in den Herbst.
Der Sommer wird leiser. Und ich merke, dass ich genau das inzwischen ziemlich gern mag.
Ich mag die ersten kühleren Abende. Das andere Licht, das plötzlich schräger durch die Fenster fällt. Und den Moment, in dem der Alltag sich langsam wieder verändert.
Es ist diese merkwürdige Zeit dazwischen.
Noch nicht richtig Herbst. Aber auch nicht mehr dieser endlose Hochsommer, bei dem es abends um zehn noch warm ist und niemand daran denkt, wieder früher nach drinnen zu gehen.
Früher hätte ich wahrscheinlich versucht, aus den letzten warmen Wochen noch möglichst viel herauszuholen.
Noch einmal dies. Noch schnell das. Bloß nichts vom Sommer verpassen.
Heute empfinde ich das anders.
Ich mag den Gedanken, eine Jahreszeit nicht bis zum letzten Tag auszureizen, sondern sie langsam ausklingen zu lassen.
Der Spätsommer muss kein Endspurt sein
Früher hätte ich versucht, noch möglichst viel Sommer in diese Wochen zu pressen. Heute wünsche ich mir eher einen ruhigen Übergang zwischen Draußensein und Rückzug, zwischen Leichtigkeit und neuer Struktur.
Beim Spätsommer passiert schnell das Gegenteil.
Entweder wir versuchen, noch möglichst viel Sommer in die letzten warmen Tage zu pressen.
Oder wir sind gedanklich schon komplett im Herbst: neue Routinen, neue Pläne, wieder mehr Struktur, vielleicht sogar schon die ersten Gedanken an Weihnachten.
Dabei gibt es noch etwas dazwischen.
Ein paar Wochen, in denen beides nebeneinanderstehen darf.
Noch einmal draußen sitzen und sich gleichzeitig über den ersten kühleren Abend freuen.
Die letzten Sommerkleider tragen und trotzdem schon wieder Lust auf einen Pullover bekommen.
Zurückschauen und gleichzeitig langsam nach vorne denken.
Spätsommer bewusst erleben heißt für mich deshalb nicht, möglichst viel aus diesen Wochen herauszuholen. Sondern wahrzunehmen, dass gerade etwas zu Ende geht und etwas anderes langsam beginnt.
Warum sich Übergänge gleichzeitig schön und wehmütig anfühlen können
Im Spätsommer liegt für mich oft beides.
Ich freue mich auf den Herbst. Auf ruhigere Abende, anderes Essen, Kerzen, Kuschelpullis, Spaziergänge im Wald bei kühlerem Wetter.
Und gleichzeitig weiß ich, dass wieder ein Sommer vorbei ist.
Ich muss mich da gar nicht entscheiden. Ich kann mich auf den Herbst freuen und den Sommer trotzdem ein bisschen vermissen.
✦ Vielleicht muss der Sommer nicht laut zu Ende gehen. Vielleicht darf er einfach leiser werden.
Die folgenden Rituale sind deshalb keine Liste, die du noch schnell vor dem Herbst abhaken sollst.
Nimm dir eines heraus.
Oder drei.
Oder vielleicht auch gar keines und behalte nur eine Idee im Kopf.
Es geht nicht darum, den Spätsommer besonders gut zu machen.
Sondern darum, ihn überhaupt zu bemerken.
Lesetipp: Bewusster leben ab 40: Warum Funktionieren auf Dauer nicht reicht
15 kleine Rituale für einen bewussten Spätsommer
Das hier ist keine Liste, die du bis Ende August abgearbeitet haben solltest.
Nimm dir heraus, was zu dir passt. Vielleicht ist es nur ein einziger Punkt. Vielleicht merkst du beim Lesen auch einfach, worauf du gerade Lust bekommst.
1. Noch einmal draußen frühstücken.
Nicht als großes Sonntagsfrühstück mit allem Drum und Dran.
Vielleicht einfach Kaffee, Brot und zehn Minuten länger sitzen bleiben als sonst.
Gerade diese unspektakulären Momente sind oft die, an die ich mich später erinnere.
2. Einen Abend bewusst unverplant lassen
Kein Termin, keine Verabredung, kein „Wir könnten doch noch …“. Einfach schauen, wonach dir gerade ist. Einfach draußen sitzen und erst dann entscheiden.
Ich finde, wir unterschätzen manchmal, wie angenehm ein Abend sein kann, der noch nicht weiß, was aus ihm wird.
3. Die letzten warmen Stunden wirklich bemerken
Im Hochsommer nehme ich Wärme irgendwann einfach hin.
Im Spätsommer verändert sich das.
Plötzlich fällt mir auf, wie sich die Sonne am Nachmittag noch einmal warm auf der Haut anfühlt und wie schnell es danach kühler wird.
Vielleicht musst du daraus gar nichts machen.
Nur kurz merken: Das ist gerade noch Sommer.
4. Etwas vom Spätsommer ins Haus holen
Ein paar Gräser vom Spaziergang. Zweige. Blumen vom Wochenmarkt. Vielleicht auch nur eine einzelne Sonnenblume.
Nicht als perfekte saisonale Dekoration.
Ich mag eher den Gedanken, dass draußen und drinnen langsam gemeinsam die Jahreszeit wechseln.
5. Einen Ort noch einmal besuchen, der zu deinem Sommer gehört
Das muss kein Ausflugsziel sein.
Vielleicht ist es das Café, in dem du in diesem Sommer öfter gesessen hast. Ein Weg mit dem Hund. Der Biergarten um die Ecke. Eine Bank am Rhein oder irgendwo anders, an der du gern sitzt.
Nicht weil du ihn „noch erledigen“ musst.
Sondern weil manche Orte sich mit einer bestimmten Zeit verbinden.
6. Die Fotos dieses Sommers nicht nur abspeichern
Ich mache viele Fotos und schaue sie mir viel zu selten wirklich an.
Deshalb mag ich die Idee, einen Abend lang einfach durch die Bilder der letzten Monate zu gehen.
Nicht, um gleich ein Fotobuch daraus zu machen.
Nur um noch einmal zu sehen, was eigentlich alles passiert ist.
7. Drei Dinge aufschreiben, die du aus diesem Sommer behalten möchtest
Keine große Sommerbilanz. Nur drei Dinge. Vielleicht eine Gewohnheit. Ein Gefühl.
Ein Mensch, mit dem du mehr Zeit verbringen möchtest.
Oder etwas, von dem du im Juni noch gar nicht wusstest, dass es dir wichtig werden würde.
8. Eine kleine Ecke auf Herbst umstellen
Ich meine damit ausdrücklich keinen saisonalen Komplettumbau.
Vielleicht räumst du lediglich die leichte Decke wieder aufs Sofa.
Stellst eine Kerze hin. Holst den Korb hervor, in dem im Sommer niemand nach einer Wolldecke gesucht hat.
Manchmal reicht eine kleine Veränderung, damit sich auch der Alltag langsam anders anfühlt.
9. Deine Abende ein bisschen verändern
Im Sommer bin ich abends länger draußen und vieles verschiebt sich nach hinten. Mit den ersten früheren Abenden kann sich auch wieder etwas anderes einschleichen. Vielleicht früher das große Licht ausschalten. Eine Kerze anzünden. Das Handy nicht mit aufs Sofa nehmen. Oder wieder ein Buch anfangen.
Nicht als neue Abendroutine, die ab jetzt jeden Tag funktionieren muss.
Einfach ausprobieren, wonach dir ist.
10. Einen Spaziergang machen, wenn das Licht schon anders aussieht
Das spätsommerliche Licht ist für mich einer der deutlichsten Hinweise darauf, dass sich etwas verändert.
Die Sonne steht tiefer. Die Schatten werden länger. Manche Wege sehen plötzlich ganz anders aus als noch im Juli.
Vielleicht gehst du bewusst zu einer Uhrzeit los, zu der dir genau das auffällt.
11. Eine Sache bewusst nicht mit in den Herbst nehmen
Das muss nichts Großes sein. Vielleicht ein Termin, zu dem du eigentlich schon länger keine Lust mehr hast. Eine kleine Verpflichtung, die irgendwann entstanden ist und einfach weiterläuft. Oder eine Erwartung an dich selbst.
Die Frage finde ich interessanter als jede Herbst-Vorsatzliste:
Was möchte ich nicht einfach nur deshalb weitermachen, weil ich es bisher gemacht habe?
12. Noch einmal etwas kochen, das für dich nach Sommer schmeckt
Bei mir sind Jahreszeiten stark mit Essen verbunden. Deshalb mag ich diese Zwischenzeit auch in der Küche.
Noch Tomaten, Pfirsiche, Beeren oder das, was für dich zu deinem Sommer gehört.
Und gleichzeitig vielleicht schon das erste Essen, bei dem man merkt: Jetzt wird es langsam wieder gemütlicher.
13. Einen langen Abend mit einem Menschen verbringen, bei dem du nichts leisten musst
Kein Programm. Vielleicht etwas trinken, draußen sitzen, reden oder auch einmal schweigen.
Mich interessieren inzwischen viel mehr diese Abende als solche, bei denen vorher feststeht, was alles passieren soll.
14. Einen ehrlichen Blick in deinen Herbstkalender werfen
Nicht um ihn noch besser zu organisieren. Sondern um zu schauen:
Wird mein Herbst gerade schon wieder voller, als ich ihn eigentlich haben möchte?
Was steht dort, weil es mir wichtig ist?
Und was steht dort, weil ich automatisch zugesagt habe?
Vielleicht muss danach gar nichts gestrichen werden.
Aber zumindest weißt du dann, worauf du dich einlässt. Ein Blick in den Kalender kann dabei ehrlicher sein als eine gute Absicht.
Für mich gehört zu dieser Zeit auch ein kleiner Blick zurück. Dafür habe ich 15 Journaling-Fragen gesammelt, die den Übergang vom Sommer in den Herbst aufgreifen.
15. Einen Satz für deinen Herbst finden
Nicht als Vorsatzliste, sondern als ein einzelner Satz, den du dir selbst mitgibst.
Zum Beispiel:
Ich möchte mir meine Wochenenden nicht wieder komplett verplanen.
Ich möchte öfter draußen sein, auch wenn es kühler wird.
Ich möchte mich diesen Herbst weniger beeilen.
Oder etwas ganz anderes.
Ein Satz reicht.
Vielleicht ist er im Oktober längst nicht mehr passend. Dann darf er sich ändern.
Du musst aus diesen 15 Ritualen nichts machen. Vielleicht hat dich beim Lesen nur eines davon angesprochen. Dann reicht genau dieses eine.
Denn einen Spätsommer bewusst zu erleben bedeutet für mich nicht, besonders viele schöne Dinge hineinzupacken.
Vielleicht bedeutet es eher, ein paar der Dinge, die ohnehin passieren, tatsächlich mitzubekommen.
Wenn dich besonders die kleinen und unspektakulären Momente ansprechen, findest du in „7 Dinge, die mich glücklich machen – und die ich jahrelang übersehen habe“ weitere Gedanken dazu.
Lesetipp: Wenn du auch für die kälteren Monate ein paar ruhige Impulse suchst, findest du im Artikel „Herbstrituale: 6 Ideen für mehr Ruhe und Achtsamkeit im Herbst“ eine gute Fortsetzung.
Was möchtest du aus diesem Sommer mitnehmen?
Bevor der Blick ganz in Richtung Herbst geht, mag ich die Idee, noch einmal kurz zurückzuschauen.
Nicht als Sommerbilanz.
Und schon gar nicht mit der Frage, ob du genug erlebt, unternommen oder aus diesen Monaten gemacht hast.
Eher mit ein paar Fragen, die zeigen können, was dir in diesem Sommer eigentlich wichtig war.
| Ein paar Fragen zum Mitnehmen Was hat mir in diesem Sommer gutgetan? Was habe ich vermisst? Welche Momente möchte ich gern öfter erleben? Was darf mit diesem Sommer enden? Und wofür möchte ich im Herbst wieder mehr Raum haben? Du musst darauf nicht sofort Antworten finden. Manche Fragen dürfen ein paar Tage mitlaufen. Beim Spaziergang, beim Autofahren oder abends auf dem Sofa fällt einem manchmal mehr dazu ein als dann, wenn man sich mit einem leeren Blatt hinsetzt und unbedingt etwas herausfinden möchte. Wenn du solche Fragen grundsätzlich magst, findest du hier weitere Fragen zur Selbstreflexion. |
Ein persönliches Spätsommerritual
Bei uns sieht so ein Spätsommerabend inzwischen anders aus als im Hochsommer. Wir sitzen dann nicht wie sonst am Teich im Garten, sondern vorne vor dem Haus, an einem kleinen Tisch, mit einem Glas Lillet. Theo ist am Geländer angeleint, damit er nicht auf eigene Faust losstreunt.
In diesem Spätsommer gehört noch etwas anderes zu diesen Abenden.
Wir sprechen immer konkreter über unsere vier Wochen in Spanien und beginnen langsam mit den Vorbereitungen.
Zum ersten Mal wollen wir mit Theo mehrere Winterwochen in einer Wohnung in Spanien verbringen.
Für meinen Mann ist es vor allem Urlaub.
Für mich auch.
Aber ich habe gleichzeitig schon dieses Bild im Kopf: vormittags am Blog schreiben und zwischendurch vom Balkon aufs Meer schauen.
Ob es dann tatsächlich genauso aussehen wird, weiß ich natürlich nicht.
Es ist noch nichts davon Wirklichkeit, nur ein Plan auf einem kleinen Tisch vor dem Haus, mit einem Glas Lillet und einem Hund, der ungeduldig am Geländer zerrt.
Und vielleicht mag ich genau deshalb diese Abende so gern.
Sie gehören noch zum Sommer.
Aber gleichzeitig steckt schon ein kleines Stück von dem darin, was danach kommt.
Wir sitzen nicht mehr nur im Rückblick auf den Sommer, sondern schon ein Stück im Vorausblick auf das, was als Nächstes kommt.
Vielleicht zeigt sich das bei dir ganz anders.
Vielleicht genießt du einzelne Sommermomente noch einmal besonders.
Vielleicht schaust du schon vorsichtig in deinen Herbstkalender.
Vielleicht merkst du, dass etwas aus den vergangenen Monaten nicht mitkommen soll.
Oder du freust dich längst auf etwas Neues.
Beides darf nebeneinanderstehen.
Lesetipp: Slow Sunday: 52 Ideen für eine bewusste Auszeit am Sonntag
Fazit: Vielleicht darf der Sommer einfach leiser werden
Vielleicht musst du den Sommer nicht festhalten. Und vielleicht musst du aus den letzten warmen Wochen auch nicht noch besonders viel machen.
Manches darf einfach zu Ende gehen. Du kannst dich über den Herbst freuen und trotzdem ein bisschen wehmütig sein. Noch einmal lange draußen sitzen und gleichzeitig merken, dass du dich schon auf kühlere Abende freust.
Für mich liegt genau darin etwas Schönes am Spätsommer.
Ich mag genau diese paar Wochen, in denen noch beides da ist.
Vielleicht nimmst du aus diesem Artikel deshalb gar nicht 15 neue Rituale mit.
Vielleicht nur eines.
Einen unverplanten Abend.
Einen Spaziergang im anderen Licht.
Einen ehrlichen Blick in deinen Kalender.
Oder die Frage:
Was möchte ich aus diesem Sommer mitnehmen und was darf hierbleiben?
Das reicht. Der Herbst kommt früh genug.
Bis dahin darf der Sommer ruhig noch ein bisschen leiser werden.
Deine Kerstin
Wenn du solche Gedanken gern liest
Ich schreibe über die kleinen und manchmal unscheinbaren Fragen, die in der zweiten Lebenshälfte wichtiger werden können: über bewussteres Leben, Klarheit, Veränderungen, Entscheidungen und darüber, was im eigenen Alltag eigentlich noch zu einem passt.
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