Warum ich heute nicht mehr mehr will, sondern stimmiger leben möchte.
Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich gar nicht mehr viel Neues will. Kein größeres Haus, kein aufregenderes Leben, keine noch vollere Woche. Eher weniger. Weniger Dinge, um die ich mich kümmern muss. Weniger Termine, die schon beim Eintragen anstrengend wirken. Weniger Erwartungen, die ich erfülle, obwohl ich sie selbst nie gewählt habe.
Manchmal male ich mir aus, einfach ein Jahr lang mit dem Wohnwagen zu reisen, dahin, wohin wir gerade wollen, mein Mann, unser Hund Theo und ich. Kein festes Ziel. Nur weniger von allem.
Das ist die stille Sehnsucht nach einem einfacheren Leben. Und die eigentliche Frage dahinter beschäftigt mich mehr als das Thema selbst: Warum sehne ich mich nach weniger, obwohl ich mein Leben grundsätzlich gern lebe?
| Für dich, wenn … … du äußerlich ein gutes Leben führst und dich trotzdem immer öfter nach weniger sehnst. Nach weniger Dingen, weniger Terminen, weniger Baustellen. Nicht, weil etwas zerbrochen ist. Sondern weil sich etwas verschoben hat. |
Was ich lange für ein gutes Leben gehalten habe
Früher klang ein volles Leben für mich nach einem guten Leben. Viele Pläne, viele Möglichkeiten, viel Bewegung. Im Büro fühlte ich mich sogar besser, je mehr Termine im Kalender standen. Ich habe das lange gern gemacht: mit Menschen gearbeitet, Konzepte entwickelt, Meetings geleitet. Ein voller Tag war für mich ein Beweis, dass ich gebraucht wurde und etwas bewegte.
Besitz, Erfolg und ein dichter Kalender waren für mich lange sichtbare Zeichen dafür, dass mein Leben gelungen war. Ich habe nicht bewusst danach gestrebt, immer mehr zu wollen. Es hat sich einfach so ergeben, Schritt für Schritt, weil jede einzelne Entscheidung für sich genommen vernünftig war.
Wann aus „viel“ plötzlich „zu viel“ wurde
Der Punkt, an dem aus viel zu viel wurde, kam bei mir nicht als einzelner Moment. Er kam schleichend. Irgendwann waren es einfach:
- zu viele Dinge, um die ich mich kümmern musste
- zu viele Entscheidungen an einem Tag
- zu viele Erwartungen, die ich erfüllte, ohne sie geprüft zu haben
- zu viele offene Baustellen gleichzeitig
- zu viel Vergleich mit dem, was andere gerade aufbauen
Keiner dieser Punkte für sich war ein Problem. Zusammen haben sie über Jahre etwas verändert, ohne dass ich es sofort bemerkt habe.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass mich nicht nur Belastung erschöpft, sondern auch das Zuviel an Dingen zwischen mir und dem, was mir wichtig ist.
Was ein einfacheres Leben für mich nicht bedeutet
Das ist mir wichtig zu sagen, weil das Thema schnell romantisiert wird. Ein einfacheres Leben bedeutet für mich nicht:
- alles verkaufen
- in eine einsame Hütte ziehen
- auf Komfort verzichten
- jede Verantwortung abgeben
- grundsätzlich gegen Geld oder Erfolg sein
Ich mag meine Selbstständigkeit. Ich mag meinen Alltag mit meinem Mann, mit Theo, mit meiner Arbeit. Es geht mir nicht darum, mein Leben kleiner zu machen. Es geht mir um etwas anderes.
| Kommt dir das bekannt vor? Du hast äußerlich viel erreicht und fragst dich trotzdem, wofür eigentlich. Dein Kalender ist voll, aber wenig davon fühlt sich wirklich wesentlich an. Du besitzt einiges, das dir kaum noch etwas bedeutet. Du sagst neuen Projekten zu, obwohl du innerlich schon müde wirst. Du sehnst dich nach Ruhe, hast aber ein schlechtes Gewissen dabei. |
Wenn dir das bekannt vorkommt, bedeutet das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Wonach ich mich eigentlich sehne
Wenn ich genauer hinschaue, sehne ich mich wahrscheinlich nicht bloß nach weniger. Ich sehne mich nach:
- mehr Übersicht
- mehr Zeit ohne Zweck
- weniger innerer Zerrissenheit
- bewusst gewählten Verpflichtungen statt übernommenen
- Dingen, die wirklich zu mir passen
- Ruhe, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen
Vielleicht sehne ich mich also gar nicht nach einem kleineren Leben. Vielleicht sehne ich mich nach einem Leben, in dem weniger zwischen mir und dem Wesentlichen steht.
Zu einem einfacheren Leben gehören für mich nicht nur weniger Dinge und Termine, sondern auch Beziehungen, in denen ich nicht ständig funktionieren muss. Mehr Gedanken dazu findest du hier.
Lesetipp: Dieses Thema hängt eng mit einem anderen zusammen, über das ich kürzlich geschrieben habe – wie sich mein Verständnis von Freiheit verändert hat, von äußerem Erfolg hin zu innerer Stimmigkeit. Mehr dazu im Artikel „Innere Freiheit: Was Freiheit heute für mich bedeutet“.
Wo ich mein Leben heute bereits vereinfache
Konkret sieht das bei mir im Moment so aus:
- weniger Kanäle gleichzeitig bespielen
- nicht mehr jede Geschäftsidee verfolgen, die mir einfällt
- bewusster kaufen, statt aus Gewohnheit
- Termine nicht sofort zusagen, sondern erst prüfen, ob sie zu mir passen
- Zuhause übersichtlicher gestalten
- Erfolg nicht mehr nur an Wachstum messen
Das sind keine großen Umbrüche. Eher viele kleine Entscheidungen, die sich über die Zeit summieren.
| Eine Frage für deinen Alltag Was würdest du eigentlich nicht vermissen, wenn es morgen aus deinem Alltag verschwände? |
Was dabei unbequem ist
Ein einfacheres Leben ist nicht automatisch ein bequemeres Leben. Das gehört für mich zur Ehrlichkeit dazu:
- Man lässt Möglichkeiten liegen, die man theoretisch hätte nutzen können.
- Andere verstehen manche Entscheidungen nicht.
- Weniger Besitz oder weniger Projekte lösen nicht automatisch die innere Unruhe.
- Man muss sich entscheiden, was wirklich wichtig ist – und das immer wieder neu.
- Einfach ist nicht dasselbe wie bequem.
Wenn ich weniger Termine annehme, heißt das nicht automatisch, dass ich die frei gewordene Zeit auch genieße. Manchmal fülle ich sie schneller wieder auf, als mir lieb ist. Auch das gehört dazu.
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Klarheit finden ab 40 – Orientierung, wenn sich innerlich etwas nicht mehr stimmig anfühlt
Werte & Lebensgestaltung ab 40 – wenn sich deine inneren Maßstäbe verändern
Häufige Fragen zur Sehnsucht nach einem einfacheren Leben
Warum kann die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben entstehen, obwohl eigentlich vieles gut ist?
Bei mir geht es weniger um einen konkreten Mangel als um ein Zuviel an Dingen, Terminen und Erwartungen, das sich über Jahre angesammelt hat. Das Leben läuft, fühlt sich aber manchmal eher gefüllt als wirklich erfüllt an.
Bedeutet ein einfacheres Leben automatisch weniger Erfolg?
Nicht zwangsläufig. Es geht eher darum, Erfolg neu zu definieren – nicht mehr nur über Wachstum oder Menge, sondern über Stimmigkeit mit den eigenen Werten.
Wie unterscheidet sich diese Sehnsucht von Minimalismus?
Minimalismus wird häufig zuerst mit weniger Besitz verbunden. Meine Sehnsucht nach einem einfacheren Leben geht darüber hinaus. Sie betrifft auch Termine, Erwartungen, Entscheidungen und die Frage, was in meinem Leben wirklich wesentlich ist.
Wie fange ich an, mein Leben bewusst zu vereinfachen?
Für mich beginnt Vereinfachung mit kleinen, konkreten Entscheidungen im Alltag: Termine nicht sofort zusagen, bewusster kaufen, regelmäßig prüfen, welche Verpflichtungen wirklich noch zu einem passen.
Verschwindet die innere Unruhe, wenn ich äußerlich vereinfache?
Nicht automatisch. Weniger Besitz oder weniger Projekte lösen eine innere Zerrissenheit nicht von selbst. Äußere Vereinfachung kann aber Raum schaffen, um der eigentlichen Frage überhaupt erst nachzuspüren.
Fazit
Welche Dinge machen dein Leben eigentlich reicher – und welche machen es nur voller? Vielleicht beginnt ein einfacheres Leben nicht damit, etwas wegzugeben. Sondern damit, diese Frage zum ersten Mal ehrlich zu stellen.
Deine Kerstin






