Selbstführung

Hund und Beruf: Zwischen Meetings und Gassi-Runden – mein Alltag mit Theo

14. Juli 2026

Bewusster leben mit Hund

Wie ich Homeoffice, Selbstständigkeit und einen Hund unter einen Hut bekomme – und was ich vorher nicht wusste

Als wir uns für Theo entschieden haben, war ich noch angestellt. Teilzeit, Großteils im Homeoffice, mitten in der Zeit, in der plötzlich alle von zuhause aus arbeiteten. Ich hatte mit meiner damaligen Bereichsleiterin abgesprochen, dass ich Theo mit ins Büro bringen konnte, wenn es passte. Auf dem Papier klang das nach einer guten Ausgangslage. In Wirklichkeit war es trotzdem nicht einfach.

Dieser Artikel ist für dich,
wenn du berufstätig bist und überlegst, ob ein Hund in dein Leben passt –
oder wenn du gerade mittendrin steckst und merkst, dass es mehr Organisation braucht, als du gedacht hast.


Warum wir uns für einen Hund entschieden haben – trotz Job

Für uns war klar: Ein Hund sollte kein Projekt nebenbei sein. Er sollte ein weiteres Familienmitglied werden. Diese Haltung hat uns geholfen, uns nicht nur zu fragen „Passt das in unseren Kalender?“, sondern „Wollen wir das wirklich, mit allem, was dazugehört?“

Die Rahmenbedingungen waren bei uns günstig: Teilzeit, Homeoffice, eine Vorgesetzte, die entgegenkommend war. Trotzdem habe ich schnell gemerkt, dass gute Rahmenbedingungen allein nicht reichen.


Die ersten Wochen: Warum es schwerer war, als ich dachte

Ich hatte mir vorgestellt, dass die Eingewöhnung mit Homeoffice im Rücken eigentlich kein Problem sein würde. Ich war ja da. Ich hatte „Zeit“.

Was ich unterschätzt hatte: Ein Hund ist mehr Verantwortung und Aufgabe, als ich vorher dachte. Nicht, weil Theo schwierig war. Sondern weil sich mein ganzer Tagesablauf neu sortieren musste – um jemanden herum, der noch keine Ahnung hatte, wie unser Alltag funktioniert.

Wir haben uns in der ersten Zeit unfassbar schwergetan. Zwischen Calls kurz raus, zwischen Deadlines auf einmal ein Hund, der etwas brauchte, das sich nicht in den Kalender pressen ließ.

✦ Was mir dabei klar wurde: Zeit zu haben und Struktur zu haben, sind zwei verschiedene Dinge. Ich hatte das erste. Das zweite musste ich mir erst erarbeiten.

Kommt dir das bekannt vor?

  • Du hast dir die Eingewöhnung leichter vorgestellt, weil du ja „eh zuhause“ bist.
  • Du merkst, dass ständige Verfügbarkeit für den Job und ständige Verfügbarkeit für den Hund sich gegenseitig im Weg stehen.
  • Du fühlst dich zwischen Meeting und Gassi-Runde ständig ein bisschen gehetzt.
  • Du fragst dich, ob du dir das wirklich gut genug überlegt hast.

Wenn dir das bekannt vorkommt, heißt das nicht, dass du dich falsch entschieden hast. Es heißt nur, dass die Eingewöhnungszeit ihren eigenen Rhythmus braucht – auch wenn dein Kalender das eigentlich nicht vorgesehen hatte.


Was uns geholfen hat, Hund und Beruf unter einen Hut zu bringen

Aus dieser ersten Zeit und aus dem, was seitdem für uns funktioniert hat, sind das die Punkte, die ich anderen berufstätigen Frauen mit Hund mitgeben würde:

Feste Rituale schaffen, bevor der Alltag es einfordert

Theo kam mit unserem Alltag zunehmend besser zurecht, als unsere Abläufe verlässlicher wurden: fester Zeitpunkt für die erste Runde, feste Pausen tagsüber, ein fester Ort, an dem er sich zurückziehen kann, während ich arbeite.

Mit deinem Arbeitgeber offen sprechen, bevor es nötig wird

Wenn du angestellt bist, hilft eine frühe, klare Absprache mehr als eine, die erst entsteht, wenn es schon eng wird. Bei mir war das die Vereinbarung mit meiner Bereichsleiterin, Theo mitzubringen, wenn es passt.

Pausen für Spaziergänge fest einplanen, nicht nur hoffen, dass sie sich ergeben

Was im Kalender steht, passiert eher als das, was „sich schon irgendwie finden wird“. Eine Gassi-Runde als festen Termin zu behandeln, nicht als Lückenfüller, hat bei uns viel verändert.

Einen Rückzugsort für den Hund einrichten

Bei uns hat ein fester Platz geholfen, an dem Theo zur Ruhe kommen konnte, während ich gearbeitet habe. Oft schläft er tatsächlich gar nicht in meinem Büro, sondern einen Stock tiefer im ersten Obergeschoss.

Der Eingewöhnungszeit ihren eigenen Zeitrahmen zugestehen

Ich hätte mir gewünscht, früher zu akzeptieren, dass die ersten Wochen einfach anstrengend sein dürfen, ohne dass das etwas über die Entscheidung an sich aussagt.

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Wie Theo sich an meinen Arbeitsalltag gewöhnt hat

Mit der Zeit ist etwas passiert, das ich am Anfang kaum für möglich gehalten hätte: Theo hat sich an meine Arbeitszeiten gewöhnt. Er kennt inzwischen die Unterschiede zwischen „Kerstin sitzt am Laptop und ich warte“ und „Kerstin steht auf, jetzt geht’s raus“.

Heute arbeite ich selbstständig, ebenfalls von zuhause aus. Der große Unterschied zu damals: Ich bestimme meine Struktur inzwischen selbst, statt sie um feste Arbeitszeiten herum zu bauen. Theo ist heute kein tägliches Organisationsproblem mehr, sondern ein selbstverständlicher Teil meines Tages.

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So sieht ein normaler Arbeitstag mit Theo heute aus

Bewusster leben mit Hund

Theo hat drei Runden am Tag. Morgens übernimmt mein Mann, mittags bin ich dran. Abends wäre eigentlich meine Tochter dran. Inzwischen übernehmen wir diese Runde aber häufiger selbst. Sie ist Teenager, hat Schule, Termine und ihr eigenes Leben. Für uns ist es deshalb kein großes Thema, die Aufgaben im Alltag immer wieder neu zu verteilen.

Ich arbeite vormittags und nachmittags. Während ich am Laptop sitze, sucht sich Theo sein Plätzchen im Haus – er hat quasi in jedem Zimmer einen eigenen Ort, mal auf dem Läufer, mal auf dem Sofa, mal im Körbchen. Er ist schließlich ein Königspudel und benimmt sich manchmal auch genauso: der König im Haus.

Die Mittagsrunde ist im Sommer oft nur zum Lösen da, die eigentlich längere Runde verschiebt sich dann in den Abend oder frühen Morgen, je nach Jahreszeit.

Aus der Arbeit holt er mich eigentlich nur, wenn er raus muss oder Hunger hat. Abends, wenn alle auf dem Sofa sitzen, will er unbedingt dazugehören und nervt so lange, bis er es geschafft hat. Aber während ich arbeite, schläft er meistens einfach entspannt vor sich hin. Und genau das tut auch mir gut. Seine Ruhe überträgt sich oft auf mich.

Auch an besonders arbeitsreichen Tagen oder bei vielen Terminen läuft inzwischen kaum etwas anders. Genau daran merke ich, wie selbstverständlich unser gemeinsamer Alltag geworden ist.


Und Theo im Büro?

Tatsächlich habe ich diese Möglichkeit nur ein einziges Mal genutzt – und es hat nicht so funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte. Im Rückblick habe ich dabei Fehler gemacht: Ich hätte vorher unbedingt mit einem erfahrenen Hundetrainer abklären sollen, wie man so eine Situation richtig einführt, statt es einfach auszuprobieren. Da ich ohnehin größtenteils von zuhause arbeitete, kam es insgesamt nur einmal vor. Kurz darauf änderte sich mein beruflicher Weg ohnehin – ich habe gekündigt, allerdings nicht wegen Theo. Allein zu wissen, dass die Möglichkeit bestand, hat mir trotzdem ein gutes Gefühl gegeben.


Würde ich es wieder tun?

Ja. Ich habe durch Theo unfassbar viel über mich selbst gelernt – aber das ist ein eigenes Thema für sich.

Eine Frage für deinen Alltag

Wenn du gerade überlegst, ob ein Hund in dein Berufsleben passt: Nicht „Habe ich genug Zeit?“ ist die entscheidende Frage. Sondern: Bin ich bereit, meine Struktur für eine Weile neu zu bauen – auch wenn es unbequem wird, bevor es sich einspielt?


Häufige Fragen zu Hund und Beruf

Kann ich einen Hund haben, wenn ich Vollzeit arbeite?

Das hängt weniger an der Wochenstundenzahl als daran, wie diese Stunden verteilt sind. Vollzeit im Homeoffice, ein Partner mit anderen Arbeitszeiten oder eine verlässliche Betreuung sind etwas anderes als fünf lange Tage außer Haus. Wenn ein Hund regelmäßig über viele Stunden allein wäre und es keine feste Betreuung gäbe, würde ich die Entscheidung sehr kritisch prüfen. Bei uns waren Teilzeit, Homeoffice und die Möglichkeit, Theo gelegentlich mit ins Büro zu nehmen, wichtige Voraussetzungen. Ohne diese Voraussetzungen hätten wir uns damals nicht für einen Hund entschieden. Auch bei späteren beruflichen Veränderungen haben wir Theo immer mitgedacht. Eine Lösung, bei der er regelmäßig lange allein bleiben müsste, wäre für uns nicht infrage gekommen.

Wie lange dauert die Eingewöhnung, wenn man berufstätig ist?

Das ist sehr individuell. Bei uns hat es länger gedauert, als ich erwartet hatte, und es war anstrengender, als ich dachte – auch mit Homeoffice im Rücken. Es lohnt sich, dafür bewusst mehr Zeit einzuplanen, als man ursprünglich im Kopf hat.

Was, wenn der Hund nicht mit ins Büro darf?

Dann braucht es andere Lösungen – eine Mittagsbetreuung, eine Nachbarschaftshilfe, angepasste Pausenzeiten. Ich hatte das Glück einer offenen Vorgesetzten, weiß aber, dass das nicht selbstverständlich ist. Ein frühes, klares Gespräch mit dem Arbeitgeber ist in jedem Fall hilfreicher als eine spontane Lösung im Alltag.

Wird es mit der Zeit leichter?

Bei uns ja. Theo hat sich an meinen Rhythmus gewöhnt, ich an seinen. Heute haben wir einen eingespielten Rhythmus. Ich muss nicht mehr jede Gassi-Runde und jede Arbeitsphase neu aushandeln, weil vieles selbstverständlich geworden ist.
Aber auch das ist sehr individuell.


Fazit: Hund und Beruf sind kein Widerspruch – aber auch kein Selbstläufer

Ein Hund neben dem Job ist machbar. Aber er ist mehr Verantwortung und Aufgabe, als man vorher denkt, egal wie gut die Rahmenbedingungen aussehen. Bei uns hat sich das mit der Zeit eingespielt – nicht, weil wir alles richtig gemacht haben, sondern weil wir dranbeblieben sind, auch als es in den ersten Monaten schwer war.

Heute ist Theo einfach Teil meines Arbeitsalltags. Und ich würde die Entscheidung, trotz Job einen Hund zu holen, immer wieder treffen.

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Deine Kerstin